WIRTEX-Kostenstruktur

Steigende Kosten
Bessere Qualität kostet mehr
Die Eurozone insgesamt kämpft gegen das Aufkommen einer Deflation, die nicht nur zu sinkenden Verbraucherpreisen, sondern auch zu sinkenden Preisen von Industriegütern und Vorprodukten führt. Insgesamt stiegen in Deutschland jedoch von Oktober 2015 auf Oktober 2016 sowohl die Preise für Verbrauchsgüter (1,1 %) wie auch schwächer für Investitionsgüter (0,6 %).

Die moderate gesamtwirtschaftliche Kostenentwicklung prägt zwar die öffentliche Diskussion, gibt aber nicht die Lage in der Textilservice-Branche insgesamt und ihren Teilbranchen wider. Die Kostenentwicklung im Textilservice ist geprägt durch zwei Aspekte: (1) deutliche Erhöhung der Lohntarife und (2) starke Qualitätsverbesserung bei Textilien. Beides treibt die Kosten deutlich.

Kostenstruktur WIRTEX

Steigende Lohntarife
Der Blick auf die Kostenstruktur der WIRTEX-Unternehmen zeigt, dass die Personalkosten der weitaus wichtigste Kostenblock sind. Dabei ist noch anzumerken, dass bei Textilserviceunternehmen, die auf Flachwäsche spezialisiert sind, der Personalkostenanteil auf fast 50 Prozent hochgehen kann.

Die Lohn- und Gehaltstarife steigen in diesem wichtigsten Kostenblock seit 2010 bis 2016 deutlich. Jedes Jahr steigen die Tarife zwischen 2 und 3 Prozent. 2015 waren es sogar 3,6 Prozent, weil hier u.a. auch neue, servicegünstigere Wochenarbeitszeiten im Verhandlungspaket erzielt wurden. Jedenfalls liegen die Tarifsteigerungen deutlich über der allgemeinen Inflationsentwicklung (im Schaubild „Anstieg Verbraucherpreise und intex-Tarife“  ausgedrückt durch den prozentualen Anstieg des Verbraucherpreisindexes).




Deutlich steigende Textilkosten
Der zweitgrößte Kostenblock sind die eingesetzten Textilien. Gerade bei den Textilien zeigen sich die enorm gestiegenen Ansprüche, welche Textilservice-Unternehmen zu befriedigen haben. Berufsbekleidung ist schon lange kein grauer Kittel mehr, sondern funktional und stilistisch so attraktiv geworden, dass sie häufig auch außerhalb der Arbeit getragen wird. Das wurde nur möglich durch die Verwendung von hochwertigen Materialien und komplexen Konfektionslösungen. Auch der Einsatz elastischer Stoffe ist stark gestiegen, einerseits um ergonomisch Bewegungsabläufe zu unterstützen, andererseits aber auch, um figurbetonte Modelle zu ermöglichen. Die gestiegene Qualität der textilen Stoffe und der Konfektion haben dazu geführt, dass sie als Kostenanteil bei den Wirtex – Unternehmen von 17,2 Prozent im Jahre 2010 kontinuierlich auf 22, 6 Prozent im Jahre 2016 gestiegen sind. Und es ist nicht abzusehen, dass sich das Anspruchsniveau von Unternehmen und Trägern bzw. Anwendern der Textilien senkt. Gerade bezüglich Individualisierung und schnellem Service – Kostentreiber par excellence – steigen die Ansprüche der Kunden und ihrer Träger und Verwender weiter. Und das ist auch gut so, denn sie geben dem Arbeitsleben Qualität und persönliche Würde, dem Hotelgast Bequemlichkeit und Komfort und dem Pflegeheimbewohner heimelige Gemütlichkeit.

Die langanhaltende Schwäche des Euro ist vor allem bei den aus Asien importierten Produkten ein zweiter Aspekt für den steigenden Kostenanteil, selbst wenn die textilen Produkte eher unkompliziert und von einfacherer Qualität sind.

Verfallende Ölpreise sind Vergangenheit
Die spektakulären Ölpreissenkungen sind immer noch im Kopf, wenn an sinkende Preise gedacht wird. Aber das war vor allem 2015 und zuvor. Und es war nicht in allen Energiearten so. Mineralölerzeugnisse sind im Oktober 2016 um 1,1 Prozent teurer als Oktober 2015, so das Statistische Bundesamt in der aktuellen Erzeugerpreisstatistik. Das gilt auch für Diesel. Und in der kurz- bis mittelfristigen Zukunft könnten die Ölpreise wieder steigen, weil das OPEC-Kartell aktuell erstmals wieder geschlossen eine Stabilisierung und Anhebung der Preise beschlossen hat – sogar unter Einschluss Russlands.

Spektakulär war allerdings das Absinken der Gaspreise 2015/2016. Doch das wird sich beruhigen, da Gas ein Kuppelprodukt der Ölförderung ist und preislich in der Regel zeitverzögert dem Öl folgt. Strom ist im Schnitt sogar 3,9 Prozent teurer geworden (Oktober 2015 – Oktober 2016).

Steigende Kosten im Preiswettbewerb
Das Szenario teilweise sinkender Kostpreise und deflationärer Prozesse ist nicht aktuell und war für Deutschland auch nur sehr partiell ein Thema.  Vielmehr ist für den Textilservice  zu sehen, dass die Lohnentwicklung der letzten Jahre und der Aufwand für die Textilien die Kosten deutlich haben steigen lassen. Die Absatzseite hat Preissteigerungen nur in einigen Marktsegmenten akzeptiert, in anderen ist es teilweise sogar zu Preissenkungen gekommen. Viele Unternehmen haben es deshalb auf der Kosten- wie auch auf der Nachfrageseite schwer, nachhaltig Gewinne zu erzielen und Arbeitsplätze zu erhalten. Bessere Qualität kostet mehr.