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Höchste Sicherheit zum Schutz für die eigene Gesundheit – PSA-Fachgespräch in der Lieferkette informiert über aktuelle Themen

07.06.2018

Arbeitskleidung ist ein wichtiger Bestandteil vieler Unternehmen. Sie dient als Schutz aller Beteiligten und ist daher in vielen Bereichen in Form von Schutzkleidung gesetzlich vorgeschrieben. Über Anforderungen und Trends von Persönlicher Schutzausrüstung (PSA) informierte das 3. PSA-Fachgespräch in der Lieferkette am 6. Juni 2018, zu dem WIRTEX, die Fachverbände IVGT e.V. und der GermanFashion Modeverband nach Frankfurt am Main eingeladen hatten. Mit über 100 Teilnehmern stellte die Veranstaltung einen neuen Teilnehmerrekord auf und zeigt, wie wichtig der Austausch innerhalb der Lieferkette ist. Das Fachgespräch informierte über aktuelle Themen aus dem PSA-Bereich und fördert vor allem den Dialog in der textilen Kette. Unter den Referenten (Foto links) befanden sich die wichtigsten deutschen Experten aus Instituten und Zertifizierungsstellen sowie die Geschäftsführer der Verbände.


Gleich zu Beginn der Veranstaltung machte WIRTEX-Geschäftsführer Dr. Andreas Marek deutlich, dass der Markt für Persönliche Schutzausrüstung und Berufsbekleidung boomt. Im letzten Jahr gab es unter den WIRTEX-Unternehmen eine Umsatzsteigerung von 4,0% – unter anderem auch Dank der Fashionisierung sowie dem zunehmenden Sicherheitsbewusstsein. Für die Beschaffung von Berufskleidung und PSA ist der Textil Service noch immer der wichtigste Vertriebskanal, so Dr. Marek. Nach den einleitenden Worten des WIRTEX-Geschäftsführers eröffneten Michael Jansen und Matthias Richter (macRom Marketingresearch & Consult) die Vortragsreihe. Dabei stellen sie einen deutlichen Strukturwandel im deutschen PSA-Markt fest. So habe sich sowohl die Angebotsstruktur als auch die Nachfrageseite nachhaltig gewandelt, womit sich aus Sicht der Marketingexperten der deutsche PSA-Markt zu einem hochattraktiven Wachstumsmarkt für die Textilbranche und den Textil Service entwickelt hat: "Es gibt große Marktpotenziale im PSA-Markt", so Richter.

Martin Leusmann (uvex safety group, Foto links) erläuterte die neuen PSA-Vertriebswege und betonte dabei vor allem die Chancen und Risiken der digitalen Transformation des Handels. So eröffnete zwar die digitale Technik dem Handel neue Vertriebswege und Vertriebszugänge zu neuen Kundengruppen, jedoch drängten zunehmend originär digitale Wettbewerber, wie Amazon, Ebay, Mercateo und Alibaba in einzelne Segmente des Handels vor und treten in direkte Konkurrenz. Diese neue Marksituation bei gleichzeitig sich ändernden Verhalten und Erwartungen der Kunden, schaffen neue Herausforderungen für die etablierten Marktteilnehmer. "Die persönliche Kundenbeziehung ist immer wichtig und wird es auch bleiben", betonte Leusmann und verwies auf die besondere Bedeutung individueller Kundenberatung bei PSA-Produkten, um diese auf ihren Einsatz und Anforderungen abzustimmen.

Thomas Lange, Hauptgeschäftsführer des Modeverbandes GermanFashion berichtete über aktuelle News seines Steckenpferdes PSA-Verordnung und ging insbesondere auf die Herausforderungen für die Hersteller in der Übergangsfrist ein. Die neue Verordnung war auch das Thema von Dipl.-Ing. Claudia Maier von den Hohenstein Instituten, die sich in ihrem Vortrag mit der Frage beschäftigte, was die neue EU-Verordnung für die Wirtschaftsakteure bedeutet. Sie stellte sechs praktische Fragen in den Mittelpunkt ihrer Präsentation: Vom ungehinderten Verkehr von PSA über Prüfberichte zur Konformitätsbewertung bis hin zu konkreten Pflichten, die mit der neuen PSA-Verordnung in Kraft treten.

Aus Sicht der Berufsgenossenschaften und Träger berichtete Martin Steiner (BG ETEM, Foto links). Denn täglich riskieren Menschen ihre Gesundheit bei der Arbeit. Zu den Maßnahmen gegen Gefährdungen am Arbeitsplatz zählt persönliche Schutzausrüstung. Sie kann die Gesundheit schützen und sogar Leben retten, weiß Steiner. Dazu muss die Ausrüstung aber auf die Gefahren des jeweiligen Arbeitsplatzes abgestimmt und sachgemäß aufbereitet sein. "Schutzkleidung gehört nicht in den Privathaushalt, sondern muss professionell aufbereitet werden", betonte Steiner. Denn durch die unsachgemäße Pflege können Schutzeigenschaften verloren gehen, so Steiner weiter.

Mit dem Thema Textilrecycling befasste sich der Vortrag von Bernd Gulich (STFI). In seinem Vortrag zeigte er verschiedene Möglichkeiten des Textilrecyclings auf. Jedoch erfordern Produktionsabfälle und Spezialtextilien spezielleres Know how und besonderen Aufwand. Das Thema Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit spielte auch im Vortrag von Dr. Monika Kohla eine zentrale Rolle. Die Repräsentantin von GermanFashion und IVGT spricht in ihrer Präsentation drei zentrale Umweltthemen mit Relevanz für PSA an: Erstens, die Einhaltung gesetzlicher Anforderungen an die Lieferkette. Zweitens, die Einhaltung von Anforderungen an das Textil bzw. Grenzwerte für bestimmte Schadstoffe im Produkt. Und drittens, der Einfluss und Einsatz für mehr Umweltschutz in der Lieferkette – besonders in den Bereichen Chemikalienmanagement, Abwasser und Abluft. Welche konkreten Themen und Aktivitäten mit hoher Relevanz für PSA in der europäischen Umweltpolitik für die Textilindustrie derzeit diskutiert werden, stellte IVGT-Hauptgeschäftsführer Michael Pöhlig anschließend vor.


Die Vortragsreihe endete mit der Präsentation des Wirtschaftsverbands Textil Service – WIRTEX, dessen Geschäftsführer Dr. Andreas Marek (Foto links) die Verbandsaktivitäten im Bereich PSA vorstellte. WIRTEX verfolgt hierbei drei zentrale Ziele: Erstens, das Bewusstsein für die sachgerechte Aufbereitung von Schutzkleidung in den Zielbranchen schärfen. Zweitens, Regularien etablieren und Allianzen schaffen – insbesondere in dem Bereich Forschung, da belastbare Daten die die Gefahren der Eigenwäsche dokumentieren nur im geringen Maße vorhanden sind. Und drittens, das gesammelte Wissen und Know-how mit der Lieferkette teilen. WIRTEX hat dazu u.a. drei Projekte initiiert, die von den jeweiligen WIRTEX-Experten im Rahmen des PSA-Fachgesprächs vorgestellt wurden.

Wolfgang Quednau, Sprecher der Expertengruppe FNTU, stellte das WIRTEX Positionspapier zu Pflegeeigenschaften von PSA im Textilservice vor: "Die Pflegeeigenschaften von PSA sind wesentlicher und elementarer Bestandteil der Schutzfunktion über die gesamte Lieferkette", so Quednau. Jedoch seien die Herstellerinformationen von PSA ungenügend, widersprüchlich oder teilweise schlichtweg nicht anwendbar. Daher macht sich WIRTEX für die ISO 15797 stark, da diese die einzige Prüfmethode zur Validierung von Produkten und Prozessen ist. Die sichere Aufbereitung von Chemikalienschutzbekleidung ist ein weiteres Projekt der WIRTEX, wie Werner Münnich, Sprecher der Expertengruppe PSA, erklärte. WIRTEX hat dazu gemeinsam mit der Hochschule Furtwangen eine Studie initiiert, um valide Fakten für den Nachweis zu erhalten, dass Schutzkleidung nur im Textil Service sicher bearbeitet werden kann. In einer ersten Studie konnten die Wissenschaftler der Hochschule Furtwangen eindeutig belegen, dass die professionelle Wäsche der Haushaltswäsche in Bezug auf die Waschleistung von verschmutzter Chemikalienschutzkleidung überlegen ist. Jetzt geht die Studie in eine zweite Phase. Ergebnisse werden noch im Laufe des Sommers präsentiert. Und schließlich stellte Dr. Thomas Neyers das derzeit in der Umsetzung befindende Kompendium und den Leitfaden Schutzkleidung im Textil Service vor, welche bis Ende des Jahres erscheinen werden. Kompendium und Leitfaden enthalten für die Anwender wesentliche Informationen über die rechtlichen Grundlagen, die Gefährdungsbeurteilung, die Auswahl von Schutzkleidung sowie der Erhalt der Schutzfunktion von PSA. Der Leitfaden ist als Unterstützung für Gespräche mit Anwendern und Endkunden von PSA gedacht, der auf detaillierte Informationen im Kompendium verweist.


Das ausführliche Programm finden Sie hier.

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